Bürger-Dialog in der Krone Alt-Hoheneck

 

Helga Penezic (Freie Wähler Neckarweihingen) und Jochen Zeltwanger (Vorsitzender Ortsverband Freie Wähler e.V.) konnten knapp vierzig Gäste in der vollbesetzten Krone Alt-Hoheneck zum Bürger-Dialog über die Chancen und Risiken einer Erhaltungsatzung der Stadtteile begrüßen.
Vorab konnten sich Interessierte bei einem Stadtteilrundgang in Alt-Hoheneck selbst ein Bild von konkreten baulichen Entwicklungen machen. Architekt Kling (Hoheneck) stellte sein Projekt Umbau Altes Rathaus Hoheneck zum Kindernest vor.

Der Geschäftsführer der Wüstenrot-Tochter GMA , Dr.Stefan Holl verwies in seinem einleitenden Impuls-Referat auf die älter werdende Gesellschaft und die Veränderung der Ansprüche an zeitgemäßen Wohnraum. Nicht jede Immobilie ist mit vernünftigem Aufwand unter Berücksichtigung der aktuellen Vorschriften – insbesondere beim Abstandsrecht/Brandschutz und den energetischen Standards – wirtschaftlich zu sanieren.

Martin Kurt, Leiter des Stadtplanungsamtes Ludwigsburg, betonte den Wert der baulichen Identität und die Wertschätzung des historischen Erbes. Für ihn ist es wichtig, dass trotz Veränderungen im Detail die historische Stadtstruktur ablesbar bleibt. Auch Gebäude, welche nicht unter Denkmalschutz stehen und aus stadtplanerischer Sicht strukturprägend sind, sollen erhalten werden. Hierbei verwies er auch auf die unterstützende Rolle und Möglichkeiten des Gestaltungsbeirats.

Die Vorsitzende von Haus und Grund e.V., Helga Schneller, merkte an, dass einige früher landwirtschaftlich genutzte Gebäude mit einer lichten Raumhöhe von 1,90m für heutiges Wohnen nicht wirtschaftlich sinnvoll umgebaut werden können. Bei einem Neubauprojekt im alten Ortskern von Hoheneck konnten aufgrund der Abstandsregeln für Neubauten zur Straßenseite keine Fenster eingebaut werden, obwohl die Nachbarn links und rechts im Bestand bei gleichem Gebäudeabstand öffenbare Fenster haben.

Architekt Kling, seit 35 Jahren in Hoheneck, stellte die Frage, „wer entscheidet, was an einem Gebäude prägend ist und was nicht ?“. Als Architekt sieht er sich in der Verantwortung kostengünstig und wirtschaftlich zu bauen, wodurch es zu Interessenskonflikten mit städtischen Gestaltungsvorstellungen kommen kann.

Architekt Jochen Zeltwanger regt in diesem Zusammenhang an, in Ludwigsburg zu prüfen, in welchen Umfang Bauherren, die bereit sind, besondere gute, eventuell auch unwirtschaftliche Gestaltungsmaßnahmen umzusetzen, durch Ausschöpfen möglicher genehmigungsrechtlicher Befreiungen, einen Ausgleich anzubieten.
Ludwigsburg

Reinhard Weiss, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler machte deutlich, dass die Freien Wähler für die Erhaltungssatzung sind, aber auch der Wirtschaftlichkeit beim Erhalt von Gebäuden eine große Wichtigkeit zukommen soll.

In der anschließenden Bürger-Dialogrunde konnten auch Fragen an Heiner Beuttler und den erfahrenen Stadtplaner Dieter Hornig gestellt werden.

Neben einer Diskussion über die Notwendigkeit von Stellplätzen in alten Ortskernen, meldeten sich auch Bürger zur Wort, die sowohl das wiederholte „Vortanzen beim Gestaltungsbeirat – auch wegen Kleinigkeiten – über Monate kritisierten, als auch das gesamte Vorgehen als Gängelei der Hausbesitzer empfanden.

Die Mitglieder der Freien Wähler im Gestaltungsbeirat Gabriele Moersch und Bernhard Remmele berichteten hingegen über sehr positive Entwicklungen bei der Überarbeitung der Planung von Bauprojekten in der Kirchstraße und Bauhofstraße. Sie sind der Überzeugung, dass wir aufpassen müssen, dass die Genehmigung von Bauprojekten nicht überreguliert wird, am Ende des Abstimmungsprozess in der Regel Gebäude entstehen, welche sich besser ins Stadtbild einfügen.
Jochen Zeltwanger erinnerte daran, dass nur bei wirtschaftlicher Nutzung der Erhalt alter Gebäude auf lange Sicht sinnvoll ist. Er bedankte sich bei den Referenten und zahlreichen Besuchern für eine spannende und interessante Diskussion, welche einige neue Erkenntnisse bei diesem wichtigem Thema gebracht hat.

Weitere Infos zum Bürger-Dialog: info@freiewaehler-ludwigsburg.de


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